Geschichte

Aus der Geschichte der Sankt-Andreas-Kirchgemeinde und ihrer Kirche

zu Chemnitz-Gablenz nach einer Beschreibung von Jürgen Heinke


27.11.1874:

Das Dorf Gablenz bildet eine selbständige Kirchgemeinde. Bis dahin gehörte es zur Johannis-Gemeinde Chemnitz. Aufgrund des Bevölkerungszuwachses in Chemnitz und Umgebung wurden weitere Kirchen benötigt. Bauplätze und Gelder mussten beschafft werden.


14.5.1888:

Grundsteinlegung für die neogotische Kirche nach dem Entwurf des Architekten Prof. Knothe-Seeck, Direktor der Baugewerkschule Zittau. 23.10.1888 Richtfest, 26. August 1889 feierliche Glockenweihe


1.12.1889

1. Adventssonntag, Weihe der Gablenzer Kirche; Baukosten 120.000,- Mark; Orgel von der Firma Kreutzbach (Borna) eingebaut.
Besonderheiten der Kirche: Der Turm hat entgegen den sonstigen Gepflogenheiten keinen quadratischen Grundriß, sondern ein Rechteck mit unterschiedlicher Seitenlänge. Diese Rechteckform wird bis zum Spitzdach über dem Glockenturm beibehalten. Erst dort mündet der Turm in einen quadratischen Grundriß, auf dem sich die für die Kirche eigentümliche Spitze aufbaut.
Auch das Holztonnengewölbe, die wiedergewonnenen Emporen-Brüstungsmalereien, die original erhaltene Kanzel und das Orgelprospekt von 1889 sind sehenswert.
1899 Schenkung des Königlichen Ministeriums von zwei überlebensgroßen Figuren der Apostel Petrus und Paulus, die zu beiden Seiten oberhalb des Hauptportals angebracht wurden.

Durch die Eingemeindung des Dorfes Gablenz in die Stadt Chemnitz am 1. April 1900 wurde es notwendig, der Gablenzer Kirche einen Namen zu geben. Da es in der Stadt bereits eine Petri- und eine Pauli-Kirche gab, konnte sie nicht den Namen einer der gestifteten Apostelfiguren erhalten. Man einigte sich auf den Namen "Sankt-Andreas-Kirche".


5.3.1945:

Bei der Bombardierung von Chemnitz wurde die Kirche durch eine Luftmine schwer beschädigt. Die Altarwand der Apsis war total zusammengebrochen. Am gegenüber liegenden Gemeindehaus wurde der Gemeindesaal zerstört. Schon 1948 hat die Gemeinde mit großer Freude und Einsatzbereitschaft unter damals noch sehr schwierigen Umständen den Wiederaufbau des Altarraumes in Angriff genommen. Aus Ersparnisgründen verzichtete man auf die übliche gewinkeite Form der Ummauerung der Apsis und setzte nur eine gerade Wand als Abschluß. Auf Vorschlag des Kirchenarchitekten Dr. Laudeley wurde der Grafiker Heinz Dörjer aus Mylau vom Kirchenvorstand St. Andreas beauftragt, diese neue mächtige Wand mit einem Schriftteppich zu zieren. Der Künstler wählte dafür die Bergpredigt Jesu. Dazu hat der Künstler in 120 Zeilen zu je 100 Buchstaben von je sechs Zentimeter Höhe 12000 Buchstaben aus freier Hand - ohne Schablone - gemalt. Der Buchstabengrundton ist in einem warmen dunkelbraunem Ton gehalten, die Kernsprüche sind in dunkelroter Farbe hervorgehoben.


Am 17.10.1948

erfolgte die Wiedereinweihung der St.-Andreas-Kirche durch Superintendent Gerber. Seitdem feiert die Gemeinde den 3. Sonntag im Oktober als Kirchweihfest, da sich die früheren Termine (Einweihung der Kirche am 1. Advent und 1. Glockenweihe am 4. Sonntag im August) als ungeeignet erwiesen haben.


22.7.1956

Weihe der jetzigen aus Hartstahl bestehenden Glocken mit den Tönen f', as' und b'. Die vorherigen Bronze-Glocken mußten - wie in den meisten Kirchgemeinden auch - im 1. und 2. Weltkrieg zum Einschmelzen als Kriegsmaterial abgegeben werden.


1972 und 1976

wurden die 4 Querdächer abgebaut, weil in den Kehlen zwischen Haupt- und Querdächern fast in jedem Jahr in der Schnee- und Frostperiode Schäden entstanden, die hohe Kosten verursachten und in der DDR-Zeit wegen Materialmangels oft nur sehr mangelhaft repariert werden konnten. Die etwas blockartige Form wurde dadurch leichter und beschwingter.





1953 - 1956

Durch die Kriegseinwirkung hatte auch die Orgel gelitten. Erste Reparaturversuche mußten wegen der Währungsreform auf die nötigsten Arbeiten begrenzt werden. So konnte erst in den Jahren
eine umfassende Reparatur vorgenommen werden, die allerdings nicht alle Schäden behoben hat und eine aufwendige Pflege und Wartung in den Folgejahren notwendig machte.


1979

wurde der Neuaufbau des Instrumentes geplant, der die totale Erneuerung der Windladen mit einschloß. Dabei sollte die Orgel auf mechanische Spieltraktur umgestellt werden und alles erhaltenswerte Klangmaterial wiederverwendet werden. Durch die neuerliche Währungsunion 1990 mit dem Geldumtausch 2 : 1 verzögerte sich der Beginn der Arbeiten. 1995 konnte der Auftrag erteilt werden, nachdem von verschiedenen Seiten Unterstützung zugesagt worden war.


Vor der Hundertjahrfeier der St.-Andreas-Kirche nahm man eine gründliche Renovierung des Innenraumes vor. Die jahrelangen Vorbereitungen brachten in Bezug auf Materialbeschaffung, Gewinnung von Arbeitskräften und Finanzierung viele Probleme mit sich. Nur dank dem unermüdlichen Einsatz von Kirchenvorstehern und Mitarbeitern, einer großen Zahl hilfsbereiter Gemeindeglieder und der Spendenfreudigkeit der Gemeinde wurde es möglich, die aufwendigen Arbeiten, termingemäß zum Abschluß zu bringen:

  • Beseitigung der schwarzen Übermalung an den Emporen und dem gesamten Gestühl
  • Auffrischung des Schriftblocks an der Wand hinter dem Altar
  • Weitere Reparaturarbeiten und Einbau einer Heizung?
Am Jubiläumstag 1989 leuchtete das Kirchenschiff dann wieder in der alten Bemalung.


5.10.1997

Wiedereinweihung der Orgel nach einem Neuaufbau durch die Firma A. Schuster & Sohn, Zittau: Auf 4 Teilwerken (Hauptwerk, Rückpositiv, Brustwerk, Pedalwerk) sind 37 Register mit den Möglichkeiten von 40 Registern spielbar. Das Instrument hat 2.700 Pfeifen, davon ist die größte über 5 m lang (mit Fuß), die kleinste nur wenige Millimeter.

ab 1998

weitere Reparaturen und Erneuerungen, insbesondere die Sicherung des Turmes

2000

Anlegen einer Zufahrt für Rollstuhlfahrer